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2014-12-28

Muttersein

Nachdem ich in letzter Zeit einige Blogs zum Thema Muttersein und das Leben mit Kindern gelesen habe (von HSP und nicht HSP), möchte ich nun noch einmal nach meinem Artikel letztes Jahr Zeit für mich - als Mutter und HSP etwas im Bezug auf das Muttersein loswerden. Ich weise ausdrücklich daraufhin, dass ich im Folgenden meine persönlichen Eindrücke wiedergebe.

Heutzutage muss man sich ja schon fast entschuldigen bzw. erklären, wenn man "nur" Mutter ist. Ist die moderne Frau heute ja ein Multitalent! (Achtung Ironie!) Das Vorzeigemodell macht erst Karriere, wirft dann so nebenbei ein bis zwei Kinder und widmet sich ein paar Wochen nach der Geburt gleich wieder dem Arbeitgeber statt dem Kind. Managt aber offiziell beides mit Bravur! Spätestens, wenn das Kind ein Jahr alt jung ist, wird's Zeit für eine Ganztagsbetreuung. Weint das Kind viel, ist es ein Problemkind, auch wenn es nur zur Mama will. Ist das so schwer zu verstehen? Für einen Erwachsenen scheinbar. Wir müssen in dieser Gesellschaft funktionieren und darunter leiden tun die Kinder, oder etwa nicht? Nein, hören tut man nur die "armen" Eltern. Was sie für ein schwieriges Kind haben, wie sehr sie unter Schlafentzug leiden und wie viel Geduld sie für ihre Kinder aufbringen müssen, wie sehr sie ihrer Freiheit beraubt werden mit einem Kind. Hallo?! Den kürzeren dabei ziehen doch wohl unsere Kinder oder? Wie fühlt es sich wohl an, wenn man jeden Tag zu spüren bekommt, dass man eigentlich nur ein Klotz am Bein ist? Wenn man Nähe möchte, aber die einzige Nähe, die man als Einjähriges spürt, ein Kuscheltier im Bettchen ist? Schrecklich allein gelassen oder? Ist es da verwunderlich, dass unsere Kinder verhaltensauffällig werden? Aber wir lieben sie doch! Ja, wir lieben sie. Aber nur in Raten. Wir wollen nicht mehr zu 100% für sie da sein. Dafür ist uns unser eigenes Leben zu wichtig! Nur Muttersein ist heute nicht mehr "in".  Wie du bist nur Mutter? Ja, ich hatte ein Leben vor der Geburt und eins nach der Geburt. Der Unterschied ist, dass ich nun nicht mehr ausschließlich für mich verantwortlich bin und die Wahrheit ist, dass Muttersein in den ersten Jahren bedeutet, dass ich für mich zurückstecken muss, wenn es meinem Kind gut gehen soll. Es ist doch nicht für immer! Es ist doch noch so klein. So unbeholfen. Dann schenke ich dem kleinen Wesen eben einen Teil meines Lebens und wenn es mehrere Jahre sind. Mich erfüllt dieser Gedanke, denn ich glaube fest daran, dass meine Hingabe als Mutter mir mehr geben kann, als es ein Job jemals könnte. Ein Job ist ersetzbar. Mein Kind nicht. Ist die Anfangszeit gelaufen, kommt sie nicht zurück. Verursachte Schäden sind irreversibel, sie können später nur noch gelindert werden. Ich erwarte nicht, dass jemand meine Ansicht teilt. Jeder muss für sich entscheiden, wie er leben möchte. Ich finde nur, man sollte sich nicht zu sehr vom gesellschaftlichen Vorleben beeinflussen lassen, sondern das tun, was sich für einen richtig anfühlt. Für mich, ist das Muttersein eine Erfüllung, wie ich sie mir nie erträumt hätte, denn ich wollte bis vor wenigen Jahren nie Mutter werden. Dass mein Leben so eine Wendung nehmen könnte, hätte ich nie gedacht. Ohne Frage ist das Muttersein eine der größten Herausforderungen, kann aber gleichzeitig die Erfüllung des Lebens sein.

Wie erlebst du das Muttersein? Was bedeutet es für dich Mutter zu sein?

Kommentare:

  1. Hallo,
    da Du mein Blog ja kennst und schon einiges zu diesem Thema von mir gelesen hast, möchte ich hier nur ein paar kursorische Gedanken zu Deinem Post festhalten.
    Das mit der Erklärungspflicht und den gesellschaftlichen Zwängen kenne ich, nur in die andere Richtung. Ich musste und muss mich immer noch "entschuldigen", dass ich, obwohl der Kinderwunsch so stark war, eben nicht die erfüllte, sich aufopfernde Mama bin, wie ich es mir (und wohl auch andere) vorher vorgestellt haben. Sich das einzugestehen und auch zu äußern, scheint mir überhaupt nicht gesellschaftlich anerkannt zu sein. Oder zumindest ist/war es in meinem Familien-/Freundeskreis so. Im Gegensatz zu Dir wollte ich immer unbedingt Mama werden und dass es dann jahrelang nicht klappte, war das Schlimmste und Unvorstellbarste für mich. Noch schlimmer allerdings war dann das Eingeständnis, dass es mich eben nicht so erfüllt wie erhofft und erwartet. Das war für mich ein schmerzhafter Lernprozess, in dem ich mich als Person noch einmal völlig neu kennenlernte. Weil ich ja lange Zeit gar nicht verstand, warum ich so unglücklich war mit dem Schönsten, was ich mir gewünscht hatte. Also die individuellen Voraussetzungen sind so unterschiedlich und genauso auch die Stärke und (Un-)Aufschiebbarkeit der eigenen Bedürfnisse. Der Konflikt zwischen dem eigenen Mama-Ideal, das (zumindest die ersten Jahre) nur für die Kinder da sein und selbst völlig zurückstecken wollte, und mir als Person mit ganz elementaren eigenen Bedürfnissen war sofort da und lodert bis heute immer wieder auf. Vereinfacht könnte ich sagen: ich kann diesem meinen Mama-Ideal nur nahe kommen und mich hingebungsvoll um meine Kinder kümmern, wenn ich mich regelmäßig um mich selbst kümmere. Ansonsten ist alles nervend und anstrengend. Ich brauche ab und zu Ruhe im Raum und in meinem Kopf, um die Unruhe der Kinder nicht nur zu ertragen, sondern zu schätzen. Eine der Ruhezonen ist tatsächlich meine Arbeit geworden. Hätte mir das vor 4 Jahren jemand gesagt, hättte ich ihn für verrückt erklärt. Das war eines der Dinge, die ich niemals erwartet hätte, dass sie sich so verändern. Ich denke auch, dass ich für meine Kinder - vor allem für mein hochsensibles Kind, das ein Schreibaby war - unglaubliche Mengen an Energie gegeben habe, was sich Freunde und Bekannte, die so etwas glücklicherweise nie erleben mussten, nicht im Ansatz vorstellen können. Diese Energieausschüttung hat einfach Spuren in meiner Seele hinterlassen. Es gibt so unterschiedliche Kinder mit unterschiedlich hohem Aufmerksamkeitsbedürfnis; das erlebe ich seit Jahren im Freundeskreis. Bestes Beispiel: eine Freundin, für die die 3 Jahre zuhause mit ihrer (sehr pflegeleichten) Tochter die schönste Zeit ihres Lebens war und die voll und ganz in ihrer Mamarolle aufging, fragte uns damals nach jedem Besuchsnachmittag, wie wir das denn aushalten würden (wenn sie hautnah erlebt hat, wie anstrengend der Große war). Ich bezweifle stark, dass mit einem Kind wie unserem Sohn ihre 3 Mamajahre auch die schönste Zeit des Lebens geworden wäre. Also es ist kindabhängig, mamaabhängig, situationsabhängig (soziales Netz, stabile Partnerschaft etc.), wie die Mutterschaft empfunden wird.
    Für mich war es ein riesen Schritt, zuzugeben, dass ich wieder was für mich tun will und muss, wenn ich nicht krank werden will. Und das wiederum ist die größte Verantwortung, die ich gegenüber den Kindern habe: für mich zu sorgen, um für sie sorgen zu können.
    Liebe Grüße,
    Frühlingskindermama

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    1. Vielen dank für deinen Kommentar und deine ehrliche Schilderung aus deinem Mamaalltag. Ich gebe dir vollkommen recht, dass jedes Kind anders ist und manche "pflegeleichter" sind als andere. Ich glaube, man kann nicht immer allen Gerecht werden v.a. als Mutter und trotzdem muss man sich immer Kritik anhören, egal wie man es macht. Letztendlich ist alles immer subjektiv und weil wir so unterschiedliche Bedürfnisse haben, gibt es sicher auch kein Patentrezept. Wir müssen unsere Grenzen waren, damit wir wir selbst sein können und somit auch gute Mütter. Ich brauche auch meine Auszeiten. Ich bin keine Supermama! Ich hatte nur plötzlich so ein starkes Bedürfnis einen Pro-Kind-Mama-mit-Herz-Anti-Gesellschaftsdruck-Post zu schreiben! :o)

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    2. Liebe Frühlingskindermama, dein Kommentar spricht mich sehr an. Ich habe mir auch nie vorstellen können, wie ich mich als Mutter tatsächlich fühlen würde. Mama mit Leib und Seele, alles andere ist egal, oder doch noch ein eigenständiges Wesen, dass auch seine Freiheiten braucht. Ja, ich bin letzteres und brauche wie du, Zeiten für mich um mich mit Freude wieder auf mein Kind "zu stürzen".

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  2. Bin durch deinen Kommentar bei mir grad auf deine Seite gekommen!
    Dieser Post ist wunderschön und spricht mich total an.... Bei den vielen Miesmachern zur Zeit geht das runter wie Öl! :)
    Vielen Dank dafür
    LG Sandra

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    1. Oh, das ist total schön zu hören! Vielen dank für deinen Kommentar! :o)

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