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2013-04-07

Zeit für mich - als Mutter und HSP (erste Zeit nach der Geburt)

Als frisch gebackene Mama ist im Moment nicht viel Zeit zum schmökern und schreiben. Trotzdem versuche ich immer wieder Lücken zu finden. Zeit für mich. Das ist gar nicht so einfach und doch merke ich, dass es unendlich wichtig ist, damit ich ausgeglichen bleibe und meine Reserven wieder auffüllen kann. Für das neue, noch so zarte (hochempfindsame?) Wesen und für mich. Für ein harmonisches Zusammenleben. Ich weiß ich bin stark, ich bin stolz auf mich, wie ich die letzten drei Monate gemeistert habe. Mein Mann war mir da eine unersetzliche Hilfe ... und trotzdem. Ich genieße viel Zweisamkeit mit dem neuen Wesen. Wir lernen uns jeden Tag besser kennen und ich weiß, diese Zeit kehrt nie zurück

Trotzdem frage ich mich. Schaffe ich das ein 2. Mal? Ich frage mich, wie all die Mütter dieser Erde mehrere Kinder gleichzeitig großziehen. Könnte ich das oder würde ich vor Erschöpfung zusammenbrechen? Ist es für mich stressiger Mutter zu sein, weil ich hochsensibel bin? Bin ich weniger belastbar? Ja und nein. Bisher habe ich eher gehört, dass HSP weniger belastbar seien. Ich stimme dieser These nur bedingt zu. Ich merke zwar im alltäglichen Leben (auch ohne Kind), dass ich schneller überreizt bin. Doch bin ich auch immer wieder erstaunt über mich selbst, welche Reserven noch in mir schlummern, wenn es darauf ankommt zu funktionieren. Zum Beispiel war mein Mann nach einer Woche ständigen Wachwerdens in der Nacht so kaputt, dass bei ihm gar nichts mehr ging. So unausgeschlafen war er mir auch keine Hilfe mehr, im Gegenteil. Für mich war es auch anstrengend. Ich würde sogar behaupten noch anstrengender, weil ich ja noch stillte und noch viel weniger schlafen konnte. Dazu noch die anstrengende Geburt und trotzdem hatte ich das Gefühl, diesmal war bei ihm das Limit schneller erreicht. Woran lag das?
Sind es meine Hormone, die in mir ungeahnte Kräfte freisetzen oder liegt es an meiner Hochsensibilität? Bis heute schlafe ich max. 4Std am Stück und das seit über 3 Monaten. Es geht - auch wenn es anstrengend ist, keine Frage. Aber ich laufe nicht total übernächtigt herum - im Gegenteil - jeder sagt mir, wie gut ich aussehe! Das macht mich sehr stutzig. Vielleicht ist es einfach das neue Leben an meiner Seite, das mir ungeahnte Kräfte verleiht, meine Stimmung hebt und mich anspornt.

Mich würde interessieren, wie habt ihr als HSP (oder auch gerne nicht HSP) die erste Zeit nach der Geburt eures geliebten Wesens erlebt? Oder seid ihr evtl. Eltern von mehreren Kindern? Wie meistert ihr den Alltag? Über Erfahrungsaustausch würde ich mich freuen!

Kommentare:

  1. Hallo,

    ich denke ich bin sicher HSP und wußte das aber nach der Geburt meiner Kinder nicht. Die erste Geburt habe ich als sehr traumatisch und als Kontrollverlust empfunden. Mein Kind war mir am Anfang fremd und machte mir Angst. Ich dachte, ob ich wohl nicht den größten Fehler meines Lebens gemacht habe. Danach fingen dann bei mir die Depressionen an. Der Schlafmangel und das ständige nonstop auf Abruf bereit sein machte mich komplett fertig. Das Stillen klappte auch nicht. Ich war total fertig und bemitleidete mic selbst und mein schreckliches Leben als Mutter... Die Beziehung zu meinem Partner litt entsetzlich. Die Depressionen wurden weniger als ich wieder arbeiten ging und so zu mehr Ruhe und Rückgezogenheit kam. Es war schrecklich für mich, einen ganzen Tag mit meinem Kind zu verbringen. Das ständige Fordern und Nörgeln von seiner Seite aus machte mich verrückt und ich wollte am liebsten einfach wegfahren und nie mehr wiederkommen. Die Beziehung und das Familienleben haben sich dann gottseidank wieder normalisiert und wir waren wieder ein bißchen ausgeglichener und glücklicher. Dann unsere Entscheidung für ein 2. Kind und dann schon Depressionen während der Schwangerschaft, Riesenangst vor der Geburt (wieder Kaiserschnitt da mein Becken zu eng ist für eine natürliche Geburt von Riesenbabies). Stillen hat auch diesmal wieder nicht geklappt. Dann bin ich bereits nach 4 Monaten wieder ins Büro "geflüchtet" und mein Partner blieb zu Hause bei den Kindern. Vollzeit dann nach 6 Monaten. Leider war unsere Beziehung dann so ausgehöhlt und erkaltet, daß er sich in andere Frauen verliebt hatte und ich das ihm aus der Nase ziehen mußte. Ich habe mich sofort entschlossen auszuziehen, da ich diesem Treiben nicht zusehen wollte. Jetzt leben wir getrennt und teilen uns die Kindererziehung 50/50 auf. So habe ich endlich wieder freie Abende /Tage für mich an denen ich meinen Hobbies und dem Sport nachgehen kann. Ich bin wieder viel ausgeglichener. Daß mein Mann und ich wieder zusammenkommen halte ich für unwahrscheinlich obwohl wir 8 wunderschöne gemeinsame Jahre vor den Kindern zusammen hatten und uns sehr geliebt haben. Mit Kindern ist einfach alles anders und schwerer und die Romantik kommt total zu kurz! Ich liebe (mittlerweile) meine beiden Jungs über alles und bin überglücklich sie zu haben. Wir haben es eben nicht geschafft, die Paarbeziehung aufrecht zu erhalten. Aber haben keine Eltern, Schwiegereltern in der Nähe und Elternsein ist so anstrengend und so schwer, daß da fast keine Zeit/Kraft für Anderes bleibt. Jetzt möchte ich definitiv keine Kinder mehr.

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  2. Hallo und danke für deine sehr persönliche Schilderung. Mit großem Interesse habe ich deinen Beitrag gelesen und ich konnte mich in ein paar Statements wiederfinden. Die erste Geburt habe auch ich ähnlich empfunden. Der Kontrollverlust war die eine Sache, aber es war auch eine Geburt mit Komplikationen und da ich leider eine recht unerfahrene Hebamme hatte, fühlte ich mich damit total überfordert. Mein Kind starb kurz nach der Geburt und obwohl ich während der Schwangerschaft eine sehr intensive und liebevolle Beziehung zu meinem Ungeborenen lebte (ich freute mich total auf das Baby), war ich direkt nach der Geburt ziemlich gefasst, konnte mein Baby aber nicht anfassen. Bei der zweiten Schwangerschaft war es anders. Ich habe keine so innige Beziehung zum Kind aufbauen können (sicher auch durch den traumatischen Verlust des ersten Babys bedingt) und obwohl ich Angst hatte, entschied ich mich wieder für eine natürliche Geburt. Ich vertraute meiner Intuition und mit der Hilfe einer guten Hebamme, meiner Erfahrung der ersten Geburt (ich wusste diesmal, was auf mich zukommt) ging diesmal alles gut. Geholfen hat mir aber auch, dass ich beim zweiten Kind bereits von meiner Eigenschaft Hochsensibilität wusste und so besser auf mich Acht geben konnte. Auch habe ich die zweite Geburt längst nicht so schlimm erlebt, obwohl sie insgesamt noch länger dauerte. Trotzdem hat sie mich weniger angestrengt. Berührungsängste hatte ich beim zweiten Kind auch etwas am Anfang, aber die Freude überwiegte dann einfach, trotz Strapatzen. Ich glaube aber heute, dass ich mit dem ersten Kind zu dem Zeitpunkt auch total überfordert gewesen wäre und dass mir noch ein wichtiger Entwicklungsschritt fehlte um eine liebevolle Mutter sein zu können. Dazu gehörte z.B. auch, dass ich von Hochsensibilität erfuhr.
    Es stimmt, mit Kindern ist alles anders. Doch auch wenn es bei mir Zeiten gibt, wo es mir zu viel wird und ich das dringende Bedürfnis habe mich zurückzuziehen, so gehe ich auch ziemlich in der Mutterrolle auf. Ich hätte das früher nie für möglich gehalten und wollte eigentlich nie Kinder. Schon verrückt, wie das Leben so spielt. Dass die Romantik v.a. in den ersten zwei Jahren nach der Geburt zu kurz kommt in einer Beziehung stimmt wohl, aber das Problem haben alle Paare, ob HSP oder nicht HSP. Wir haben auch keine Verwandten in der Nähe, die uns unser Kind mal abnehmen könnten und das erschwert natürlich das Zeit finden füreinander. Wie es bei uns ausgeht, bleibt abzuwarten, aber wir hatten schon so viele Hochs und Tiefs in den letzten zehn Jahren, dass mich nichts so schnell erschüttern kann.

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  3. Hallo,
    ich habe Deinen Blog neu entdeckt und mal ein bisschen durchstöbert. Dabei bin ich auf diesen Post gestoßen und will, da das ein großes Thema für mich ist, etwas schreiben. Ich bin zweifache Mama (März 2011 und Mai 2013) und hatte riesige Probleme bei der Umstellung auf die Mutterschaft. Selbst jetzt noch gibt es Tage, da will ich einfach nur flüchten. Ich bin auf meine (wahrscheinliche) Hochsensibilität erst gestoßen, als mein Sohn 2 Jahre alt war. Vieles erklärte sich rückblickend. Bei dem ersten Kommentar oben liefen mir echt Schauer über den Rücken: genauso habe ich das alles auch empfunden. Es liest sich echt schlimm, aber es könnte genauso von mir geschrieben sein. Und es tut gut, von anderen ähnliche Gedanken zu lesen, weil man sich so allein und unverstanden fühlte.

    Ich habe einen Beitrag über meine Probleme mit der Mutterschaft im Forum "Mein hochsensibles Kind" geschrieben (als "Schulzemaus"):
    http://www.meinhochsensibleskind.de/forums/topic/mutterschaft-ist-die-groesste-herausforderung-meines-lebens/

    Außerdem schreibe ich in meinem Blog http://fruehlingskindermama.blogspot.de/ ab und zu über meine und die Hochsensibilität meines Sohnes. Wenn Du Lust hast, schau doch mal rein.

    Da es wenig Literatur über und von hochsensiblen Mamas gibt, habe ich schon überlegt, selber was zu schreiben. Da hättest Du sicherlich auch einiges beizutragen. Aber leider fehlt oft die Zeit...

    Falls Du irgendwo noch mehr über das Thema "Hochsensibilität und Mutterschaft" geschrieben hats, würde ich mich über Linkangaben sehr freuen.
    Liebe Grüße!

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  4. Liebe Anne,

    ich bin zweifache Mutter, die Große ist jetzt 3,5 Jahre, der Kleine 4 Monate alt. Auch ich habe erst vor kürzerer Zeit erfahren, dass man das, was ich bin, hochsensibel nennt und nicht unbelastbar, egoistisch oder depressiv (zumindest primär nicht).
    Leider wusste ich das aber im ersten Jahr mit meiner Tochter noch nicht, so dass dies eine ganz schwere Zeit für mich war, weil ich meine Gefühle nicht rechtfertigen konnte, vor allem nicht vor mir selbst.
    Vieles, was im ersten Kommentar beschrieben ist, ging mir damals traurigerweise auch durch den Kopf, insbesondere kenne ich das Gefühl, die "schlechteste Mutter der Welt" zu sein - allein deshalb, weil ich die Anfangszeit mit meiner Tochter kaum genießen konnte und mich manchmal nur mit Widerwillen um sie kümmerte. Trotzdem versuchte ich, sie das nicht spüren zu lassen und war so gut ich konnte für sie da. Aber es erfüllte mich halt nicht mit solch einer übergroßen Freude, dass es all die Ängste und Zweifel aufgewogen hätte. Oft wollte ich auch einfach nur weglaufen.
    Auch das Stillen war eine einzige Tortur, monatelange Schmerzen und Ängste, dass sich diese negativen Gefühle auf meine Tochter übertragen könnten und dass unsere Beziehung gestört sein würde... Mein Mann kümmerte sich sehr viel um die Große, fast schon zu viel, so dass ich mir zusätzlich noch Vorwürfe machte, als Mutter zu wenig Zeit mit meinem Kind zu verbringen.
    Alles wurde besser, als man mir später sagte, mein Kind habe ein unheimlich großes Urvertrauen und eine gute Bindung zu uns. Mit dem trotzenden Kleinkind konnte ich viel besser umgehen, es sprach und spricht meine Sprache, es hat keine Todesangst, wenn es schreit, während ich mal unter der Dusche bin, ich verstehe die Intensität seiner Gefühle super gut und finde sie berechtigt...
    Diese Beobachtungen und das Wissen um Hochsensibilität halfen mir jetzt sehr, die ersten Monate mit meinem Sohn halbwegs gut zu überstehen, obwohl teilweise wieder die gleichen Schwierigkeiten und Minderwertigkeitsgefühle auftauchten (insbesondere das Stillen war wieder eine Qual... - geht aber inzwischen einigermaßen). Inzwischen denke ich sogar, ich mache das alles ziemlich gut, zumal es wirklich MEHR zu tun gibt mit zweien. Aber irgendwie habe ich diesmal das Gefühl, meine Kräfte besser einzusetzen - so ähnlich wie du geschrieben hast, habe ich auch seit fast 4 Monaten nur max. 4 Stunden am Stück geschlafen, vereinzelt mal 5 Stunden und meistens fühle ich mich nicht komplett übernächtigt. Mein Mann, den ich bei meiner Tochter immer noch um seinen Einsatzwillen und sein Durchhaltevermögen beneidet habe, schwächelt jetzt auch öfter als ich, obwohl er nicht mehr macht als ich. Es ist wohl wirklich so (auch wenn ich es mir nie vorstellen konnte): man mobilisiert genau die Kräfte, die man braucht und auch wenn bei zwei Kindern sich immer der eine um das eine und der andere um das andere Kind kümmern muss, bleibt trotzdem immer ein klein bisschen Zeit für sich selbst, in der man dann aber wirklich das machen sollte, was einem Spaß macht oder man braucht.
    Körperliche Erholung ist eine Sache, da staune ich selbst, was ich plötzlich leisten kann (mein Kleiner schläft deutlich schlechter als die Große) - viel wichtiger erscheint mir aber die seelische Erholung, insbesondere für meine Beziehung zu meinem Mann, uns hilft Humor sehr und dass wir uns gegenseitig in unserer Elternrolle und unserem Bauchgefühl stärken und dass wir auch kleine Auszeiten (ja, manchmal schlafen wirklich beide Kinder gleichzeitig) nutzen.
    In diesem Sinne, liebe Grüße!

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